ChilloutRagaDeepHouseMeditation – „Tattoo Tara“ von m.age.project

Electro meets Mantra, Rap and Raga, Deep House Meditation, Erotica & Shamanism

Hier geht es nicht um ein extraterrestrisches Tomb Raider Spin-Off beim Burning Man Festival, sondern um das dritte und mit Abstand „schrägste“ Album von m.age.project. Der wilde Genre- und Stilmix ist dabei keineswegs ausgewürfelt, sondern folgt einem Grundanliegen, welches von jeher prägend für viele Bereiche der elektronischen Musik ist. Was verbindet die Buddha Bar, Karlheinz Stockhausen, Marshall Jefferson, Goa-Trance oder Ibiza-Chillout (der ohne die Hippie-Bewegung der 1960er und 70er Jahre undenkbar wäre) miteinander?: Es ist oft ein spirituelles Anliegen, tanzbare Mystik und transzendierende Erfahrung im Klang, die den tristen Alltag überschreiten will. Vor allem aber ist es ein bewußtseinserweiternder Trip zwischen Dancefloor und Deep Listening.

Auf Tattoo Tara halten sich die clubtauglichen Higlights die Waage mit experimentellen und zuweilen esoterisch anmutenden Klanglandschaften. Der tribal-technoide Sound des Openers „the spirit and the machine“ (128 bpm) wird von Paquis sinnlich gehauchten Reimen elegant abgefedert. Der Midtempo-Track „Deistergeister“ wurde von einer naheliegenden Berglandschaft inspiriert, die Wolfsbergquelle singt sogar – zusammen mit einer mysteriösen Waldnymphe – angenehm plätschernd mit. Dazu erklingt minimaler Berlin Techno in Moll mit vereinzelten Störgeräuschen. Gleich im Anschluss rollt mit „unity“ ein weiterer Stomper (124 bpm) aus den Boxen, der im Cova Santa auf Ibiza ebenso gut funktionieren würde wie im Berliner Berghain. „Free your mind“ dröhnt der Vocoder, und ein Grammophon spielt Beethovens „Ode an die Freude“. Ein weiterer Dance Track verdient es, hier besonders hervorgehoben werden: „the mystery“ ist ein Deep House Track par excellence, der im Kontext des Albums zwar leicht aus dem Rahmen fällt, aber dafür ganz stark an die Roots von m.age.project erinnert, die im House Sound von legendären Labels wie Naked Music und Strictly Rhythm liegen. Die junge deutsch-balinesische Sängerin Arina Tara Kriegenburg, Absolventin der Mannheimer Popakademie, legt eine so beeindruckende Vocal Performance über den jazzigen Deep House Track, dass man sich schon auf ihr nächstes Gastspiel freut. Das folgt auch zeitnah, allerdings ist „walk the path“ ein ganz anderes Ding als „the mystery“, nämlich ein gerappter, quasi religiöser Appell für eine weltoffene Haltung zu allen Facts of Life.

Mit seinem dritten Long-Player Tattoo Tara trägt Matthias Harnitz, der musikalische Kopf hinter m.age.project, die Mystik jahrhundertealter spiritueller Traditionen in die Gegenwart. Für Harnitz ist das nicht ungewöhnlich, komponierte der studierte Jazz-Pianist mit den Bartzöpfen doch schon für den Dalai Lama spirituelle Musik, die mit über 400 Kindern und Jugendlichen zu Ehren des Friedensnobelpreisträgers bei seinem Besuch in Hannover im Jahr 2013 uraufgeführt wurde.

Ungewöhnlich sind auf diesem Album allerdings die musikalische Bandbreite, die er in Zusammenarbeit mit seinen Mitstreiterinnen zu einem farbenreichen Klangkosmos zusammenfügt: Antike Elefantenglocken und Klangschalen mischen sich mit House-Beats, der melodisch-sanfte Klang der SunPan (verwandt mit dem „ufoförmigen“ Percussion-Instrument Hang) tanzt über sonnenwarmen Elektro-Bässen, charmante Female-Vocals und schartige Vocoder-Sounds verbinden sich mit Synthesizern und Sitar. Bambusflötenspiel zu blökenden Schafen und Mahatma Gandhi loten als Soundscapes und Klangcollagen unsere akustische Globalität weitläufig aus.

Die konsequente visuelle Entsprechung findet sich im Cover-Motiv, welches die bekannte Berliner Tattoo-Künstlerin Thea Tralisch ziert in der anmutigen Gestalt einer zeitgemäßen Tara – eine weibliche Manifestation des Buddha und Ausdruck höchsten Mitgefühls. Tattoo Tara ist sicherlich kein Mainstream-Album. „Geht gar nicht!“, mag mancher sagen. „Gut so!“, werden jene sagen, die mit Offenheit, Sehnsucht und Herz ihr Ohr am Puls der Zeit haben. „All men were made by the same Great Spirit Chief. They are all brothers.“ (Chief Joseph 1879). „Alle Menschen werden Brüder…“ (Fr. Schiller 1785). PEACE!

Das m.age.project wurde 2006 von Matthias Harnitz ins Leben gerufen und ist seit 2007 beim Frankfurter Independent-Label peacelounge recordings unter Vertrag.

Diskographie:

Intertwined (2008) download Loving+++! (2012) download
Mirador (2010) CD, download Tattoo Tara (2017) CD, download

Tracks von m.age.project erschienen auf mehr als zwei Dutzend Compilations, seine Musik ist regelmäßig in Radio und TV präsent (ZDF, SWR, HR, P NDR, PlanetRadio, Deluxe Music TV)

Kontakt und Interview-Anfragen bitte per Mail an: lounge@peacelounge.com