DAO: SOHAM

DAO – Soham (peal 013)

DAO: A New Dimension of Globalized Asian Grooves

Das neueste Signing auf peacelounge ist eine mittlere Klang-Sensation, die weit über das hinausreicht, was uns in den letzten Jahren unter dem Begriff „Asian Grooves“ untergejubelt wurde. Wir haben DAO bereits seit 2002 im Blick, und inzwischen ist ihre Musik bereits auf einem halben Dutzend der weltbesten Downtempo-Compilations erschienen: Zen Connection 3 (AUS), Frequent Flyer: Bombay (USA), Hotel St. Tropez (UK) or Karma Culture (D), lange bevor ihr Debütalbum endlich das Licht der Welt erblickt. Das Warten auf Soham hat sich gelohnt…

Einsteigen: Als Team gestandener Musiker operieren Nani T. und Chinmayo bereits seit den späten Achtzigern zusammen, aber erst seit Anfang des neuen Jahrtausends unter dem programmatischen Namen DAO. Bei dem antiken chinesischen Dichter Lao Tze steht DAO – im spirituellen und philosophischen Kontext – für „den Weg“, aber auch für die „zehntausend Dinge“, die nicht weniger als den Ursprung der Welt bedeuten. Zugleich ist DAO aber auch Abkürzung für ihr musikalisches Credo:

* Digital Total freedom in the use of electronic sounds and loops
* Authentic high quality live instruments and vocals
* Original Meaningful lyrics, rich and fascinating melodies and structures

Das Duo Nani/Chinmayo wirkt zwar als treibende Kraft hinter DAO und übernimmt die Hauptverantwortung in Sachen Songwriting und Produktion. Aber der vielschichtige Sound, die fliegenden Beats in opulenten Arrangements stammen nicht etwa von zwei Menschen mit Laptop und einem Stapel Sample-CDs. Live-Instrumente und Vocals nehmen in allen DAO Tracks viel Raum ein, und sie vermischen sich auf kongeniale Weise mit fundamental treibenden Grooves zwischen Jazz, Funk, Pop und World Music. Ein Hauch von Esoterik umweht das Ganze, aber diese ist ebenso tief im musikalischen Können wie in der gelebten Spiritualität ihrer Macher grundiert. Kurz und salopp ausgedrückt: Es geht um „Grooves mit Gehalt“.

Einhören: Schon der Opener „Had Gedam“ illustriert den Ansatz von DAO auf eindrucksvolle Weise: Ein weiter Keyboard-Sweep, dessen sich Jean-Michel Jarre nicht schämen müsste, eine Stimme wie aus einem Bollywood-Film, sanfte Bambusflötentöne und eine subtil tickernde Elektronik mit Tabla-Akzenten im Hintergrund. Keine zehn Minuten später nimmt dann „Soham“ denselben Faden wieder auf, diesmal werden orientalische Saiten aufgezogen zu federleichten Beats und nachgerade avantgardistischen Jazz-Percussion-Akzenten. Mit „Ishq“ tauchen wir dann tief in die Sufi-Mystik ein, wiederum von einem sanften, aber kraftvoll dahinfliessenden Groove umspielt. Sehr viel erdiger spielt dann die Musik bei „A Rap Al Arap“ mit Bauchtanz-Klischees und einer gewagt-schrillen Rock-Gitarre. Einer der nachhaltig eindrucksvollsten DAO-Tracks ist sicherlich „Xiong“: In der chinesischen Sprache Mandarin steht „Xiong“ für „Bär“, und diesem leider oft und gerade in China gequälten Tier gilt auch die musikalische Hommage: ein gerade tribalistisches Stück, mit verhallten Breakbeats sowie Zischen, Flüstern und dunklen Chants auf der Gesangsspur, baut sich der „Bär“ mehr und mehr zur Grizzly-Statur auf. Den Gegenpol bildet „Moody Moon No. 5“, das in einer gerechten Musikwelt die Charts sämtlicher Buddha Bars und Café Del Mars dieser Welt anführen müsste. Kann ja noch kommen. DAO und wir arbeiten dran. Last, but not least verdient „Salaam“ besondere Hervorhebung, nicht nur als „Endstück“ des Albums, sondern für seinen Hörspielcharakter. Falls mal jemand einen Tatort mit dem Titel „Nach Mitternacht in Mumbai“ drehen will, wird er an dieser Musik kaum vorbeikommen.

Vorstellen: Die DAO-Mitstreiter sind zum Teil namhafte, aber allesamt begnadete Meisterinnen und Meister ihres Faches. Nachfolgend möchten wir sie kurz vorstellen:

Chinmayo, DAO-Produzent und Arrangeur, spielt seit seinem zwölften Lebensjahr in Bands. Zunächst Gitarre und Schlagzeug, dann Keyboards und Computer. Im Jahr 1994 gewann er – bereits in der Formation Taste & Try mit Nani T. – beim bundesweiten Shure Unplugged Contest, 1999 wurde das Album der Band unter dem Titel Nunca veröffentlicht. Chinmayo lebt seit 2000 ca ein Drittel des Jahres in Indien, wo er ein zweites Studio unterhält, in dem er mit Musikern verschiedener Nationalitäten an neuer Musik für DAO arbeitet.

Nani T lebte lang in Mexiko und Spanien und wurde dementsprechend stark durch lateinamerikanische Musik geprägt. Sie war dort als Musikerin mit der Formation all meridian unterwegs, und tourte später mit partout (ethno folk jazz) in ganz Europa. Dann kam taste & try mit eigenen Songs in Richtung Latin Pop Jazz sowie zahlreiche Gastauftritte mit dem Raviindra Ensemble, die ihre Liebe zur indischen Musik weckten.

Laishram Mema, die „Melody Queen of Manipur“ ist die erste Sängerin aus Manipur, die in einem Bollywood-Film gesungen hat. Neben zahlreichen „All India Radio“-Konzerten steht sogar ein Duett mit der legendären Lata Mangeshkar in ihrer illustren Künstler-Biographie. Ihre Stimme ist unter anderem auf „Had Gedam“ zu hören.

Bikram Rajkumar ist ein begnadeter Flötist mit klassischer indischer Ausbildung, mit dem Chinmayo eine langjährige Freundschaft verbindet. Bikram hat bei vielen internationalen Produktionen mitgewirkt, unter anderem bei Produktionen von Georg Deuter (Chaitanaya Hari) und Prem Joshua.

Nikil Pathak ist ebenfalls Inder und klassisch ausgebildeter Musiker. Sein Instrument sind die Tablas, an denen er als wahrer Meister seines Faches gilt. Als versierter und gefragter Live-Musiker brachte er bei DAO wichtige rhythmische Akzente ein.

Zhubin Kalhor aus dem Iran gehört zum Live-Ensemble des „Guru of Fusion“ Prem Joshua. Obwohl noch relativ jung, gilt Zhubin heute bereits als eine der hoffnungsvollen Neuentdeckungen in der persischen Sufi-Musik. Er spielt die traditionelle persische Geige Kamancheh sowie die orientalische Rahmentrommel Daff und intoniert mit seiner charaktervoll hell-rauen Stimme auch Sufi-Lyrik.

Robert Lochmann ist ein Jazz-Bassist von Rang, der jederzeit auf internationalem Niveau mitspielen kann. Im Frankfurt, wo er lebt, kennt man ihn unter anderem durch die Band K-Town Connection oder auch die neuere Formation The Big Boogaloo, eine Soul Jazz Band, die er zusammen mit dem Gitarristen Martin Lejeune ins Leben rief.

Andy Bayer, Saxofonist, ist ein alter Freund der Familie, der schon bei Taste & Try dabei war und bei DAO auch nicht fehlen darf. Wenngleich die wenigsten das Saxofon mit der Klangwelt „Asien“ verbinden – es passt!

[soham] wird am 26.05.06 in Deutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich und Spanien veröffentlicht