Flamingo Star – I Wouldn’t Wait No Longer

Während er als Keyboarder und Trompeter live und in vielen Studios unterwegs war, konnte der 37-Jährige Inspirationen und Ideen für Songs sammeln, ausprobieren, verwerfen, neu komponieren, und so seinem Solo-Projekt FLAMINGO STAR viel Zeit zum Reifen geben. Das hat sich ausgezahlt. Mit seiner stilistischen Vielfalt und der Affinität zu den unterschiedlichsten Genres (siehe Headline) – von House und Funk über Dub und Lounge bis hin zu (Nu) Jazz und Blues – ist er eindeutig auf dem richtigen Kurs.

I wouldn´t wait no longer,
I realised that god had made an investment in my life

Wie nennt ein gestandener Musiker, der Zeit seines Lebens seine Kreativität in den Dienst anderer Bands gestellt hat, sein erstes Solo-Album? Natürlich
“I wouldn´t wait no longer”. Zeitdruck verspürte Flamingo Star alias Matthias Becker allerdings nicht unbedingt. Während er als Keyboarder und Trompeter ein viel gefragter Musiker ist, gab der 37- jährige seinem Solo-Projekt Flamingo Star Zeit zum reifen. Und das hat sich ausgezahlt. Denn die achtzehn Tracks von „I wouldn´t wait no longer“ zeigen eine originellen und vielseitigen Mix aus House, Latin, Jazz und Worldmusic. Für Local Media immerhin achtzehn gute Gründe sich mit der Veröffentlichung seines Debut-Albums keine Zeit zu lassen.

Schon als Kind lernte Matthias Becker Trompete und Klavier. Seine ersten professionellen Erfahrungen sammelte der Hannoveraner in Jazz-, Funk- und Soulbands wie Shockadelica, His Masters Voice und Tom Oz & The Wet. Bei den Aufnahmen zu dem Sampler „Return to chocolate city“ mit His Masters Voice hatte Becker übrigens ein Erlebnis von dem andere Musiker wahrscheinlich ein Leben lang träumen: Denn bei einem Track bildete er zusammen mit den Funk – Legenden Fred Wesley und Pee Wee Ellis – langjährigen Wegbegleitern von Mr. James Brown – den Bläsersatz. Seine Klasse sprach sich unter den Ex- Kollegen des Godfathers anscheinend herum, denn für eine Deutschland – Tour engagierte Maceo Parker Shockadelica als Vorband.
Heute ist Matthias Becker mit dem Soul-, Latinsextett Sugarhat regelmäßig als Keyboarder unterwegs. Dabei weist er sich als äußerst kompetenten Pianisten aus mit einer ausgeprägten Vorliebe für das legendäre Fender Rhodes E-Piano. Eine seiner nicht minder kreativen Nebentätigkeiten ist übrigens ein Job als Cocktailmixer.

Die Erfahrungen die Matthias Becker im Lauf der Jahre sammelte flossen nahtlos in Flamingo Star mit ein. „I wouldn´t wait no longer“ zeigt wie vielfältig und kurzweilig House anno 2007 sein kann. Unterstützt wird er dabei von gestandenen Hannoveraner Session- und Studiomusikern wie der Bassistin Margot Gontarski (Spice, MousseT.), dem Gitaristen Chico Wedig (Electric Universe, Vison) und dem Jazz- und Funk Drummer Lars `Soulsurfer´ Heindorf. Als Vokalisten holte er sich unter anderem die De:Phazz Sängerin Pat Appleton, Ex- Be Sänger Gregor Blumenthal und seine Sugarhat- Kollegen Marko Hauburg und Britta Erchinger ins Studio.

Schon der Opener „Smoothpipe“ verschafft einem mit eleganter Bossa – Gitarre und scharf gesampleten Bläsern einen entspannten Einstieg in das Album. Dazu fehlt eigentlich nur eine Prise Sommer und ein Cocktail in der Hand.
Mit „Since I met you“ gelingt Matthias Becker ein flockiger Housegroover, der sich auf Anhieb in die Gehörgänge schraubt und direkte Zuckungen in den Beinen verursacht. Auffallend ist auch Flamingo Star´s stilistische Offenheit für Einflüsse von allen Teilen der musikalischen Landkarte. So treffen in „Tango Malaguena“ argentinische Bandoneon–Sounds auf Roni Size/Reprazent – verwandte Basslines und sorgen für eine originell groovende Mixtur. Authentisches Karibik Flair versprüht „No puedo ver“. Auf dem Salsa inspirierten Track zeigt Matthias Becker übrigens auch, dass er als Trompeter eine ernstzunehmende Größe ist. Bei „Babutschi“ trifft östliches Flavour auf einen strammen Bass, worldmusic – Samples und eine funky Clavinetfigur. Die selbe Energie ist auch auf dem Titeltrack „I wouldn´t wait no longer“ zu spüren. Eine treibende Uptempo Funknummer, die klar macht dass Matthias Becker musikalisch den Funk in den letzten Jahren intensiv gelebt hat. House skurril bietet „Tik Tok“. Zwischenmenschliche Beziehungsdemenz charmant-witzig umgesetzt. Tragendes Element ist dabei die Stimme von Marko Hauburg. Eine eigenartige, aber absolut stimmungsvolle Verbindung aus Jazz-Ballade und Reggae glückt Matthias Becker mit „Unhappy“. Überhaupt versteht sich Flamingo Star auch auf subtilere Genrespielarten. „Tender as a Rose“ ist eine atmosphärische, dunkle Houseballade, der die Stimme von Pat Appleton die nötige Dosis Soul injiziert.
Mit „Piano“ und „Sputnik“ gelingen ihm fast schon ambiente Klanggebilde, die in unmittelbarer Weise Becker´s Musikalität belegen.

Dass Flamingo Star/ Matthias Becker mit seiner stilsicheren Affinität zu den unterschiedlichsten Genres auf dem richtigem Kurs liegt, belegt auch dass bereits zwei seiner Tracks für erfolgreiche und renommierte Samplerreihen wie Asia Lounge und Brazilectro ausgewählt wurden. So sind „Porque“ auf Brazilectro 6 und „Babutschi“ auf Asia Lounge 1 zu hören.

Wer originellen House mit verblüffend, griffigen Stilsynthesen mag, sollte nicht länger warten und sich Flamingo Star´s “I wouldn´t wait no longer” besorgen. Achtzehn Tracks, die zeigen dass das Genre House immer noch für Überraschungen gut ist. Dabei funktionieren die Tracks des Albums nicht nur im Club, sondern durch ihre Vielseitigkeit auch als kurzweiliges Hörerlebnis im eigenem Wohnzimmer.