Kana – Entre Frères

„J’ai des petits problèmes dans ma plantation…“

Trotz des oben zitierten Refrains kann im Zusammenhang mit ihrer Single „Plantation“ von Problemen keine Rede sein. Der Song eroberte nicht nur die französischen Charts im Sturm, sondern wurde in zwei aufeinander folgenden Jahren zum Sommerhit der frankophonen Welt und verkaufte sich bislang über 300.000 mal!

 

Seither sorgen die vielseitigen Reggae-Aficionados von KANA für frischen Wind in Frankreichs Musikszene – im weiten Feld zwischen Pop, Reggae und Ethno – wo auch Kollegen wie Manu Chao und Sergent Garcia spielen.

Neben den Übersee-Departements der Karibik schließt die frankophone Reggaeszene auch die ehemaligen Kolonien in Afrika mit ein. Zu ihren Aushängeschildern zählen daher neben Alpha Blondy und seinem derzeit wesentlich erfolgreicheren Nachfolger Tiken Jah Fakoly von der Elfenbeinküste auch karibische MCs wie Tonton David oder Daddy Yod. Aber auch Pierpoljak konnte vor einigen Jahren einen außergewöhnlichen Erfolg für sich verbuchen. Wie Tillman Otto aus Deutschland nahm das in Frankreich geborene Weißbrot seine Alben in den Tuff Gong Studios auf Jamaika auf – mit der Einschränkung, dass Gentleman das jamaikanische Patois perfekt imitiert, während Pierpoljak in seiner Muttersprache parliert. Dank dem Faible vieler Franzosen für karibische Klänge schaffte es Pierpoljak zur Jahrtausendwende westlich des Rheins in die Charts. Ähnliches Glück widerfuhr wenig später auch KANA. Ihr Song „Plantation“ war erstmals im Winter 2002/2003 in aller Munde und rückte mit Unterstützung der Radio-DJs bis auf Platz 5 der Hitparade vor.

Die ungewöhnliche Erfolgsstory begann im Jahr 1997. Damals nahmen Sänger Philippe Ripoll alias Zip, Gitarrist Arthur Romijn und Trompeter Mathias Dessagne ihren ersten Flug nach Mauritius und kamen mit sieben Songs im Gepäck zurück. „Der Kern unser Gruppe kennt sich schon seit Teenagertagen“, rekapituliert Frontmann Zip. „Zurück in Frankreich haben wir vier weitere Musiker rekrutiert. 1999 reisten wir erneut auf die Insel im Indischen Ozean, um die Aufnahmen fertig zu stellen. Das Studio lag inmitten von Zuckerrohrfeldern. Diese Umgebung hat uns zu unserem Bandnamen inspiriert. Ursprünglich nannten wir uns Kana Sucre. In Frankreich verkürzten wir dan namen zu KANA.“ (Zuckerrohr, französisch: „canne à sucre“, englisch: „sugar cane“, spanisch: „caña de azúcar“).

Auf Mauritius ist seit einigen Jahren eine veritable Reggae-Revolution im Gange. Den heimischen Sega haben die jamaikanischen Rhythmen mittlerweile fast völlig aus den Charts verdrängt. Just als sich das Septett zum zweiten Mal im Studio auf der Insel einmietete, starb ein lokaler Musiker unter ungeklärten Umständen im Gefängnis von Mauritius. Kaya, ein Vertreter der afrikanischen Minderheit und Schöpfer einer Fusion, genannt Seggae, war wegen Haschisch-Konsum verhaftet worden. Prompt geriet die Gruppe mitten in die Unruhen, welche aus Protest nach den Tod des populären Reggaestars ausbrachen.

Für den finalen Mix ihres selbstbetitelten Debüts reisten Zip und Mathias schließlich in den Senegal. Spontan entschieden sie sich in Dakar, auch den Song „Plantation“ in einer Akustikversion einzuspielen und der eigentlich schon fertigen Trackliste hinzuzufügen. „Im Fernsehen sah ich einen Bericht über einen alten Zitronenbauern“, erinnert sich Zip. „Der spielte Gitarre und beschwerte sich, dass auf seinen Feldern nichts wächst. Das hat mich auf die Idee gebracht. Die Worte und die Musik stellten sich dann wie von selbst ein.“ Der Song wurde zuerst von Radio NRJ auf La Reunion ins Programm genommen. Daher kursierte in Frankreich zunächst das Gerücht, KANA stamme von einer der Inseln im Indischen Ozean. Zurück in der Heimat testeten KANA ihr Material vor Publikum. Sie gewannen einen Preis bei den MCM Sessions und durften das alljährliche Reggae Festival de Bercy eröffnen. Die Zugabe-Rufe der Fans bei den Konzerten lauteten damals bereits „Kana bis!“ – zu deutsch: Kana, noch einmal. Spätestens hier stellt sich die Frage, ob die Mitglieder der Gruppe bei der Wahl ihres Namens auch das in Reggaekreisen recht beliebte Rau(s)chkraut im Sinn hatten. Und haben sie bei ihrem Hit „Plantation“ wirklich nur an den Anbau von Gemüse und Obst gedacht? Dem Publikum jedenfalls gefielen die offenkundigen Anspielungen und bald machte sich jeder seinen eigenen Reim auf den Song. 2001 kam das Debüt in den Vertrieb von BMG France. Ab Herbst 2002 lief die Single auch über den französischen Äther. Im Mai 2003 zählte man schließlich stolze 350.000 verkaufte Singles. Der Song beflügelte auch den Albumabsatz. Ihr Debüt Kana ging mehr als 40.000 Mal über die Ladentische.

Für ihr zweites Album Entre Frères (Unter Brüdern) wechselten KANA erneut die Kulissen. Diesmal ging es nicht nach Jamaika, was wohl allzu naheliegend gewesen wäre. Stattdessen buchte die Gruppe sieben Flüge nach Dakar. In der Hauptstadt des Senegal, die eine der vielfältigsten Musikszenen Afrikas beheimatet, liegt das Xippi Studio von Youssou N’Dour. Nach den guten Erfahrungen beim Einspielen und Abmischen ihres Hits „Plantation“, kehrte die Gruppe 2003 gerne wieder dahin zurück, um diesmal einen ganzen Monat lang ein komplettes Album aufzunehmen.

„Unser Debüt endete mit einer Akustikversion von „Plantation“, die wir lediglich zu zweit in Dakar eingespielt hatten. Das neue Album eröffnet mit unserem Hit, diesmal gespielt von der ganzen Gruppe“, resümiert Zip. Der Opener auf Entre Frères, aber auch Nummern wie „Pas De Problèmes“ und „L’Escargot“ unterstreichen die Liebe dieser Gruppe zum Reggae. Fast alle Songs sind wieder auf Französisch, zwei Songs wurden allerdings in der Lieblingssprache Manu Chaos gesungen. Und damit deutet sich eine signifikante stilistische Öffnung an: neben Reggae-Riddims und der Kora eines senegalesischen Gastmusikers erklingen diesmal auch Salsa-Grooves. Mit ihrer autoreferenziellen Hommage „Azucar Kana“ schlagen KANA auf ihrem zweiten Longplayer eine Brücke von Mauritius nach Jamaika und weiter nach Kuba.

In ihrer Musik und in ihrem Namen verbinden KANA das afrikanische Mauritius im Indischen Ozean mit der Karibik. Es waren die Zuckerrohr-Plantagen, welche den Sklavenhandel beförderten. Mit den Menschen kamen auch afrikanische Musiktraditionen nach Jamaika und Kuba. Diese Roots generierten im 20. Jahrhundert zwei der einflussreichsten Musikstile der Welt. Reggae und Salsa entstanden auf benachbarten Inseln. Zwei Stile, die unterschiedlicher kaum sein können, ruhen auf einem gemeinsamen Fundament. Genau dieser Tatsache tragen in Frankreich Musiker verschiedenster Couleur Rechnung, darunter Manu Chao und Sergent Garcia. Da stehen nun auch KANA nicht länger außen vor.

  1. Plantation
  2. Pas de problèmes
  3. Entre frères
  4. L’escargot
  5. Pirogue
  6. Original
  7. http.com
  8. Tranquille
  9. L’héritage
  10. Azucar Kana
  11. Pourtant sur terre
  12. Blabla
  13. Dub est

Releasedate: out now
Label:  beatScience/Productions Spéciales
Format: CD
Labelcode: LC 11784
Catalogue No: beas 003
EAN: 4260044590165
Distribution: AL!VE AG (G/A/S)