Go Levin "Home Cooking" EP (speedlounge spdl 002)

Solo für Küchengeräte und singenden Hund: GO LEVIN „Home Cooking vol. 1“

Go Levin ist mit gerade 21 Jahren als Musiker und Produzent schon fast ein „alter Hase“, auch wenn er mit seiner Home Cooking EP am 28. Juli 2017 seinen ersten offiziellen Release vorlegt. Warum? Schon seit Jahren versetzt er die Netzmusikgemeinde mit höchst interessanten Bootleg-Remixes in ungläubiges Staunen. Inzwischen ist er auch im „regulären“ Musikgeschäft ein gefragter Mann. Gerade hat er zwei hochkarätige Bearbeitungen für sehr unterschiedliche Künstler abgeliefert: Für das Münchener Nu Disco/Lounge-Projekt BoogieLab fertigte Go Levin einen formidablen Mix von dessen Meisterstück „La Belle“, das französische Indielectro-Duo FAHRO durfte sich über einen energiegeladenen „Discowboy“ Remix von ihm freuen.

Zu Höchstform läuft Levin Goldbeck – wie er mit bürgerlichem Namen heißt – auf, wenn er mit „found sounds“ in seinem kreativ-chaotischen Home Studio herumspielen kann. Nicht umsonst heißt der Titeltrack der EP „Home Cooking“. Der Groove klingt ebenso futuristisch-minimalistisch wie er „handgemacht“ ist … Alle Sounds, die hier erklingen, wurden diversen Küchengeräten, Töpfen und Schüsseln entlockt. Das erinnert an die Klangexperimente eines Matthew Herbert, der schon vor bald 20 Jahren u.a. beim Montreux Jazz Festival zerbrechende Bierflaschen sampelte. Oder Paul Kalkbrenner, der als DJ Ickarus in „Berlin Calling“ das Öffnen und Schließen der U-Bahn-Türen aufnimmt, um es als PK zu einem Track zu verarbeiten.

Mit den vorgenannten Künstlern verbindet Go Levin seine Neugier auf immer neue Klang-Ereignisse und deren Zusammenstellung zu äußerst angenehmen musikalischen Arrangements. Zuweilen entwickelt sich ein hypnotischer Flow dann wieder schimmert eine Songstruktur hindurch, wie bei „Don’t Wanna Let Go“ … Mehr als diese Textzeile braucht es nicht, um der Melancholie Ausdruck zu verleihen, die auch die Musik von Berliner Kollegen wie Sascha Braemer und Fritz Kalkbrenner durchströmt. Oder Agnostica – jenes mysteriöse Projekt von Amir Saidi. Dessen Track „Lost“ begeisterte Levin ebenso wie Labelchef Christian Arndt, woraus sich die Idee für diese als Hommage zu verstehende Coverversion entwickelte. Obwohl seine Version von „Lost“ kompositorisch dem Original gleicht, ist die Version „re:found by Go Levin“ doch spürbar anders, ohne dieses „anders“ genau bewerten zu können. Jedenfalls absolut hörenswert, wie auch die weiteren Tracks der EP: „PentaTropic“ klingt nicht nur so, sondern ist der sehr veritable Versuch, gregorianische Pentatonik mit laid-back Tropical House zu kombinieren. Und „Lidn’t“ spielt nicht nur gekonnt mit dem Namen des Herstellers einer beliebten Schweizer Schokolade, sondern auch musikalisch in seiner eigenen Liga. Mit cheesy Synths und Retro-Handclaps verdreht uns Levin gehörig die Gehörgänge, doch sein Beat ist so konsequent und unwiderstehlich wie Schweizer „Schoggi“. Last, but not least kommt auf „Fiepsekanzler“ erstmals ein singender Hund namens Theo zum Einsatz, den Levin kongenial trainiert und als featured Vocalist eingesetzt hat. Man darf gespannt sein, ob es eine Fortsetzung dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit geben wird.

Mit seiner vielfarbigen 6 Track EP auf dem Frankfurter Label Speedlounge (das technoide Schwesterlabel der Musikboutique peacelounge recordings) hat Go Levin sich laut und vernehmlich zu Wort gemeldet. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Musik dieses hoch talentierten „New Kid in Town“ auch in der Musikhauptstadt Berlin und international gehört werden wird. Wor(l)d!

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