LeTour 6 cover (loc 036)

Various Artists – LeTour 6

Die beste LeTour aller Zeiten – mais bien sur!

Mit der sechsten Ausgabe der bei Kritik und Fans gleichermaßen geschätzten LeTour Compilation ist DJ Thomas Bohnet erneut ein großer Wurf gelungen. Wer tanzbare und ohrwurmverdächtige Chansons und (Alternative)Pop in französischer Sprache auch nur ansatzweise goutieren kann, wird an diesem äußerst partytauglichen Stilmix von Hip Hop bis Chanson, von Latin-Einflüssen bis Reggae-Vibes nicht vorbeikommen. Abgesehen von den guten Bekannten L’Homme Parle, die mit „Militants de quotidien“ diesmal eine Art vorgezogene Hymne der „Occupy“-Bewegung beisteuern, gibt es weit über ein Dutzend frische frankophone Hits und Neu-Entdeckungen: Romain Lateltin hat als Gewinner des SFR „Nouvelle Scene“ Award schon bewiesen, dass mit ihm zu rechnen ist. Sein reggae-inspirierter Chanson-Ohrwurm „Je dis oui comme je dis non“ bildet sozusagen das eine Ende des LeTour-Spektrums, während von der anderen Seite ganz unerhörte Töne kommen, wie etwa die Balkan-Pop-inspirierten Titel von Acorps de Rue und Noze oder auch das ultrafunkige „Physique“ der Mighty Mocambos, die – man glaubt es kaum – aus Norddeutschland kommen, hier allerdings im Gespann mit der französischen Sängerin Caroline Lacaze auftreten. Schon seit geraumer Zeit hatten wir den grandiosen Act Oldelaf et Monsieur D auf dem Schirm – jetzt endlich dürfen wir mit „Le Café“ gleich seinen aktuellen Hit (mit bald 5 Millionen Youtube-Clicks!!!) präsentieren.

Generell sind allerdings die Frauen auf LeTour 6 (mal wieder) in der Überzahl, was aufgrund des überbordenden Talents auch kein Wunder ist: Ariane Brunet gibt sich romantisch-kokett mit „Aime moi“, Elsa Kopf dagegen melancholisch-romantisch mit „Larmes de caramel“. Ein besonderes, weihnachtliches Highlight namens „Boom Boom“ kommt von Maryse Letarte, ihr (in dieser Version noch unveröffentlichter) Song wäre auch im Swinging London der Sixties ein Hit geworden. Auch Vanessa Chassaigne spielt mit den Stilelementen und Beats der Sechziger. „Douceur de l’amour“ von Rachel Des Bois wiederum erinnert in der ersten Minute ein wenig an George Michaels legendäres „Faith“. Die Frage, ob Rebellion ein Privileg der Jugend ist, bleibt umstritten, aber die jüngste Künstlerin, die je auf einer LeTour-CD erschien, ist auch zugleich die lauteste und rockigste: Mit „Pour T’oublier“ gibt die erst sechzehn Jahre alte Lou Cadiny ihr eindrucksvolles Debüt, und von ihr wird man (hoffentlich) noch viel hören. In Frankreich längst ein Star ist die unnachahmliche Karimouche, die wir mit dem Song „Atmosphère“ von ihrem gefeierten Album „Emballage d’origine“ vorstellen. In der Riege der starken jungen Frauen darf auch die 24-jährige Lisa Portelli nicht fehlen, die mit „Animal K“ eine der rockigeren Nummern zu LeTour 6 beisteuert.

Zu den skurrilsten Entdeckungen, die wir diesmal präsentieren dürfen, gehören La Casa Bancale, die mit „Trabajo“ einen franko-spanischen Salsa-Ska-Reggae-Track beisteuern, der unglaublich in die Beine geht. Nicht weniger spannend klingt BaliMurphy mit dem Flamenco-inspirierten und gleichfalls tanztauglichen „le totem du progrès“. Als geläuterter „Wutbürger“ outet sich der großartige Raspail mit „ma colère“. Ebenfalls eher ruhig lässt es Pierre Faa mit „l’évidence“ angehen. Sein mit dezenten Elektrobeats untermauertes Piano-Chanson wurde übrigens von keinem geringeren als Jay Alansky aka A Reminiscent Drive produziert, der Anfang der Nuller Jahre mit seinen intelligenten Electronica Sounds geradezu omnipräsent war und gerade an seinem Comeback (auf unserem Schwesterlabel peacelounge) arbeitet. Quasi in letzter Minute stieß Erwan Pinard hinzu, mit seinem nicht ganz ernst gemeinten „La poésie du dos des boîtes“. Sein Album heißt übrigens „Contient Des Sulfites“ („enthält Sulfite“), wie auch auf so gut wie jeder Weinflasche zu lesen ist. Offenbar hat sich dieser Satz bei Pinard durch häufige Lektüre nachhaltig eingeprägt.

In diesem Sinne: Santé, Prost und viel Spass mit der 6. und besten LeTour aller Zeiten!

Ausgewählte Würdigungen der Vorgänger-Alben:

• „Schallplatte der Woche“ (HR Fernsehen, RBB Multikulti)
• „Wer französischsprachige Pop-Musik liebt, kommt an diesem kompetent zusammengestellten Sampler nicht vorbei.“ (Musikexpress)
• “ hilft einem mit seiner Unbeschwertheit über jeden Berg.“ (Süddeutsche Zeitung)
• „Persönliche Entdeckungen wird jeder auch nur leicht Frankophile machen können“ (SPEX)